"es grenzt schon fast an ein wunder. eine kneipe, die seit ungefähr siebentausend jahren weder einrichtung noch deko ändert, ist doch irgendwie unheimlich. eine art zeitloch der angenehmen art ... zwischen jeder menge schnickschnack lümmelt ein abgeklärtes stammpublikum, das die kleine ex-bäckerei heiß und innig liebt: studenten, schickis, angegraute vorstadt-casanovas. am tresen der meisengeige trifft man sie bei cappuccino oder pernod (das lieblingsgetränk wertkonservativer barfliegen) an.
im kleinen, angeschlossenen kino laufen dann auch oft diese französischen filme, in denen die schauspieler unheimlich viel rauchen, sich vielsagende blicke zuwerfen und wenig reden. wenn man irgendwann aus dem kino in die kneipe zurückkommt, ist der realitätsschock umso geringer. es geht einfach genauso weiter wie auf der leinwand."

- 'nürnberg zwischen sekt und selters' (ars vivendi verlag)

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